Der nachmittägliche Stau vor der Lohebrücke, ein hundertfaches Ärgernis – wer träumte nicht davon, einfach am Stau vorbeizufahren?
Die Bargteheider Auto-Parteien träumen auch davon und haben jetzt entschieden, eine brachiale Schneise durch die Landschaft zu schlagen: von Aldi am Moor vorbei, vielleicht per Brücke über die Bahnstrecke, irgendwie zwischen Bornberg und Fischteichen hindurch bis zum Westring.
Alle Rad- und Wanderwege werden abgeschnitten, das Trinkwasserschutzgebiet bedroht, naturnahe Flächen geopfert. Die Bahn wird vermutlich nicht einverstanden sein, und die Finanzierung dieses naturfeindlichen Megaprojekts steht in den Sternen: Die geschätzt mindestens 20 Millionen Euro sind angesichts der kritischen Haushaltslage unserer Stadt illusorisch. Dennoch soll erstmal für fünfstellige Beträge weiter geplant werden.
Sinnvoller wäre es, die Lohebrücke nicht bloß zu reparieren (für 2027 geplant), sondern zu erweitern: unten mehr Platz für Autos und Fahrräder, vielleicht sogar für einen Kreisverkehr, oben ein drittes Gleis für die S-Bahn. Das wäre gewiss billiger als 20 Millionen.
Übrigens haben CDU, SPD, WfB und FDP noch eine weitere, wirklich absurde Entscheidung getroffen: eine Mini-Schnellstraße im Norden.
Für 9 Millionen Euro (ohne die Kosten für die Bahnquerung) soll eine 2 km lange Verbindungsstraße zwischen Fischbeker Weg und Tremsbütteler Weg gebaut werden, auf der 5.000 Autos pro Tag mit 90 Stundenkilometern entlangbrettern können. Diese 5.000 Autofahrer müssen sich jedoch anschließend (oder vorher) durch den Redder und die Déviller Straße quälen, und man kann von Glück reden, dass 5.000 das Hundertfache von der tatsächlichen Kfz-Zahl ist, die täglich diese Richtung einschlägt. Selbstredend werden auch bei diesem Projekt wertvolle Grünzüge und Äcker unwiederbringlich zerstört.
Beide Projekte wurden im Verkehrsausschuss am 11. Juni beschlossen, nur die Grünen haben sie abgelehnt. Denn was haben die Bargteheiderinnen und Bargteheider davon, wenn eine asphaltgraue Schlinge um unsere Stadt gelegt wird? Das ist einseitig autozentrierte Verkehrsplanung auf Kosten der Natur und der Naherholung.
Besser ist eine ganzheitliche Berücksichtigung aller Verkehrsteilnehmer. Statt sich darum zu kümmern, wie man am schnellsten um die Stadt herumkommt, sollte lieber die Attraktivität und Aufenthaltsqualität der Innenstadt verbessert werden. Hier gibt es zu viele Kinderwagen-, Fahrrad- und Rollator-feindliche Wege, Bushaltestellen ohne Regenschutz, zu wenige Fahrradparkmöglichkeiten, zu wenige Sitzbänke zum Ausruhen und Plaudern. Das Innenstadt-Sanierungskonzept, das wir in der Stadtvertretung jüngst beschlossen haben, bietet genügend Impulse dafür.
Thomas Fischer, Stadtvertreter