Bargteheide bekommt die S 4 und eigentlich sollten wir uns ja darüber freuen: Alle 20 Minuten nach Hamburg bis Altona und in Ahrensburg West Umsteigemöglichkeit in die U-Bahn. Die zusätzlichen Unterwegshalte bedeuten keine längere Fahrzeit, da die S-Bahnen leistungsstärkere Antriebe haben.
Nach den der Stadt vorliegenden Planfeststellungsunterlagen hat die Deutsche Bahn den Bahnhof mit minimalen eigenen Kosten neu geplant, der Stadt aber den notwendigen Umbau der Umgebung überlassen. Die Deutsche Bahn argumentiert, dass sie nur für die eigenen Bahnflächen Kosten trägt. Im Wesentlichen sind eine neue Weichenverbindung plus Oberleitung und Signaltechnik und 2 neuen Bahnsteigen vorgesehen. Das historische Bahnhofsgebäude wird nicht mehr gebraucht. Der Mittelbahnsteig fällt weg. Der Tunnel soll weitgehend so bleiben wie bisher. Neu angelegt werden auf der Ostseite zwei hintereinander liegende, je ca. 210 m lange Bahnsteige: Bahnsteig 3 Nord für stündlich nach Bad Oldesloe fahrende S-Bahnen, Bahnsteig 3 Süd für hier endende und nach Hamburg zurückkehrende Bahnen. Aus Richtung Bad Oldesloe halten die Bahnen weiter am Bahnsteig 1 auf der Westseite. Mit dieser Planung verlagert die Deutsche Bahn 80% des Ein- und Aussteigens von der Westseite auf die Ostseite des Bahnhofs. Viel mehr Fußgänger als bisher müssen sich damit den bestehenden Tunnel mit Radfahrern teilen.
Und Bargteheides Verbindung nach Lübeck? Die Deutsche Bahn hat es immer abgelehnt, dass der Regionalexpress in Bargteheide hält, da dann der Expresszug-Charakter verloren ginge. Wie passt das mit dem neuen Express-Haltepunkt in Lübeck-Moisling zusammen? Die Grünen fordern, die neuen Bahnsteige in Bargteheide so anzulegen, dass generell Regionalexpresse hier halten können.
Während der Bauzeit von 2024 – 2028 wird es häufiger Schienenersatzverkehr geben. Bahnexperten halten außerdem den Verkehr ab Gartenholz mit S-Bahn, Regionalexpress und Güterzügen auf den bestehenden zwei Gleisen für sehr verspätungsanfällig. Die Grünen schlagen daher für die Buslinie 374 einen 20-Minuten-Takt vor, um ab Hoisbüttel auf die U-Bahn ausweichen zu können.
Eine für Bargteheide bessere Planung hätte das Gleis 3 Richtung nach Osten verschoben, den Mittelbahnsteig verbreitert und einen Zugang zum Tunnel geschaffen; damit bliebe die heutige Bahnhofsstruktur erhalten. Dies wäre für die Bahn wesentlich teurer. Für die Stadt bedeuten die verlagerten Fahrgastströme Umbauten, z.B. für den Omnibusverkehr, mit Kosten von ca. 10 Mio. Euro – Geld, das die Stadt nicht hat. Es ist mit der S 4 also nicht alles Gold was glänzt – vielleicht sollte Bargteheide sich auf das Verursacherprinzip berufen und einfach nur das Notwendigste nachrüsten.
Dirk Ollroge