„Brüssel, Berlin, Bargteheide“ – Migration hat viele Gesichter

Unter dem Motto „Migration: Wer kommt auf welchen Wegen zu uns?“ organisierten wir am 25. Juli im Bargteheider Freibad eine Veranstaltung, die für mich weit über Zahlen und politische Debatten hinausging. „Brüssel, Berlin, Bargteheide“ brachte nicht nur Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung und zivilgesellschaftlichen Initiativen zusammen, sondern vor allem die Menschen, um die es eigentlich geht: Schutzsuchende, die den Weg nach Deutschland auf sich genommen haben und hier in Bargteheide eine neue Heimat finden.

Im Mittelpunkt standen persönliche Geschichten: Olga, Raissa und Sunita sprachen eindrücklich über ihre Erfahrungen – vom Ankommen in einem fremden Land bis zur schrittweisen Integration. Sie berichteten von der Flucht vor Krieg, Armut oder Verfolgung – und vom Neuanfang in einer Gesellschaft, die sie einerseits willkommen hieß, aber auch herausforderte. Wieder einmal wurde mir bewusst: Hinter jedem Fluchtschicksal steht ein Mensch mit Hoffnungen, Ängsten und einer Lebensgeschichte. Migration ist kein abstraktes „Thema“. Es geht nicht um „Ströme“ oder „Zahlen“, sondern um einzelne Leben. Leben, das – nicht nur unserer Verfassung nach – immer schützenswert ist. Um

Vorurteile abzubauen und Empathie zu erhalten ist der persönliche Austausch existenziell.

Politische und behördliche Vertreter*innen können uns von den Herausforderungen von Integration und Asylverfahren berichten, doch es fehlen so oft die anderen Stimmen: die derer, die ihre Heimat verlassen mussten und nun versuchen, in Bargteheide ein neues Kapitel aufzuschlagen. Die hier unglaubliches vollbringen: nach der Flucht aus der eigenen Heimat eine neue Sprache lernen, Schulabschlüsse nachholen, Behördengänge machen, Ausbildungen – kurz: ein ganz neues Leben aufbauen.

„Brüssel, Berlin, Bargteheide“ machte mir einmal mehr deutlich, dass Migration europäische, nationale und kommunale Ebenen betrifft – aber letztlich in den Städten und Gemeinden gelebt wird. Die Veranstaltung war ein eindrucksvolles Plädoyer für mehr Menschlichkeit in der Debatte. Und ein Appell, Schutzsuchende nicht als „Fälle“, sondern als Nachbar*innen wahrzunehmen. Übereinander zu sprechen, auch wenn es noch so wohlwollend sein mag, reicht nicht. Wir müssen wieder miteinander sprechen, wenn wir weiter als menschliche Gemeinschaft bestehen wollen. Nur so lässt sich Demokratie als solche auch erhalten.

Julia Dorandt
Bürgerliches Mitglied der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen

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