Für mich persönlich war der Beginn aktiver Veränderung vor allem auch ein Ende: So wie es war, sollte es nicht bleiben. Dabei waren es anfangs gar nicht die großen, fundamentalen Dinge – es begann mit einem „Hier müsste man mal..“ , bis es konkreter wurde; sei es der Erhalt eines Spielplatzes, der Bau eines neuen Radwegs oder die Unzufriedenheit mit lokalen Entscheidungen. Die eigene, unmittelbare Umgebung aktiv mitgestalten zu können ist etwas wunderbares – Psycholog*innen sprechen vom „Erleben der Selbstwirksamkeit“, sich einbringen, für etwas eintreten und den eigenen Einflussbereich erweitern. Das macht uns stark, zuversichtlich und mutig – das beste Argument, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren. Wer das Gefühl hat, dass bestimmte Themen nicht ausreichend vertreten werden, möchte diese selbst auf die Agenda setzen. Ob soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz oder Wirtschaftsförderung.
Kommunalpolitik bietet die Möglichkeit, eigene Werte und Ideen direkt umzusetzen.
Oft spielen auch persönliche Erfahrungen eine entscheidende Rolle. Eltern engagieren sich für bessere Bildungseinrichtungen, junge Menschen für mehr Freizeitangebote oder Unternehmer für eine stärkere Wirtschaftsförderung. Bei mir waren es die immer deutlicheren Einsparungen im sozialen Bereich, in der Bildung-und die fast tägliche Frage, ob mein Sohn morgen wohl in der Kita betreut wird und ich meinen Arbeitstag wie geplant gestalten kann oder wieder alles anders ist.
Diese individuellen Anliegen führen dazu, dass Menschen politische Verantwortung übernehmen – und die Kommunen profitieren umso mehr davon: Politik sollte immer von Menschen für Menschen gemacht werden und je mehr sich engagieren, umso eher wird die Welt um uns herum ein Abbild unserer persönlichen, vielfältigen Bedürfnisse.
In meinem Ortsverband wurde ich mit offenen Armen und Herzen empfangen – auch das macht das Engagement in der kommunalen Politik. Es verbindet und schafft Gemeinschaft, in der sich jede*r nach den eigenen Möglichkeiten einbringen kann.
Unterm Strich bleibt eins: Wie schon die Band „Die Ärzte“ so vortrefflich textete: „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist. Es ist nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.“ Die Motivation, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren mag so unterschiedlich sein wie die Menschen selbst – sie macht sie lebendig, uns macht sie mutig und sie stärkt vor allem das, worauf unsere ganze Gesellschaft baut, unsere Demokratie.
Julia Dorandt
Bürgerliches Mitglied der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen in Bargteheide